FILIALE

Robin Stretz
In Anticipation of a Night
Sep 5Oct 10 2020

Ausgangspunkt von Robin Stretz‘ erster Einzelausstellung "In Anticipation of a Night" ist sein gleichnamiger Film, bestehend aus zwei verschiedenen Sammlungen von scheinbar unwesentlichen Informationen: Bildsequenzen aus Google Street View, die aufgrund ihrer Ineffizienz aussortiert wurden, dienen als Kulisse für ein Voice Over, das Theorien über das Verschwinden von Stars versammelt.

Der Film zeigt eine scheinbar endlose Fahrt durch die Nacht, über Autobahnen, Landstraßen und durch Siedlungen, ohne einen genauen Anhaltspunkt, der eine Antwort auf die Fragen des Woher und Wohin sein könnte. Doch spielt das überhaupt eine Rolle? Dieser auf den ersten Blick informationsleere Raum wird immer wieder zum Hintergrund eines Voice Overs. Mythen über den vermeintlich inszenierten Tod von Stars zeichnen darin den Wunsch nach Einfachheit und Unsichtbarkeit sowie ein widersprüchliches Verlangen nach Ruhm und Privatsphäre, welches ein Individuum dazu bewegt, seine komplexe öffentliche Existenz zu beenden, um ein neues Leben zu beginnen. Diese Erzählungen sind jedoch nicht aufgrund ihres vermeintlichen Wahrheitsgehaltes Teil des Films geworden, sondern wegen der in sie projizierten Fantasien und Sehnsüchte. Seinen Arbeitsprozess beginnt Robin Stretz meist mit einer Erzählung, welche den formalen Rahmen für die Bilder schafft, die im Nachhinein erzeugt werden. Bei seiner Arbeit In Anticipation of a Night hat er sich jedoch dazu entschieden, die Bilder zum Erzeuger der Erzählung werden zu lassen. Er zeigt diese Arbeit innerhalb eines eigens dafür in die FILIALE gebauten Raumes, dessen Materialität ihren Ursprung in dem gezeigten Film und den durch ihn geweckten Assoziationen findet. Den Schreibtisch ersetzt er durch die Skulptur Untitled (2020), welche der Sandsteinformation „Teufelstisch“ nachempfunden ist.

Robin Stretz wurde 1996 in Pirmasens geboren. Er studiert seit 2018 an der Städelschule bei Tobias Rehberger. Zuvor war er Teil der Klassen von John Skoog und Tamara Grcic an der Kunsthochschule Mainz. 2020 sollte er ein Residenzstipendium an der Villa Aurora in Los Angeles antreten, welches jedoch aufgrund der aktuellen Situation verschoben wurde.

Vivien Kämpf